Volldigitale Implantatplanung und navigierter Eingriff

Dr. med. dent. Ulrich Wild, MSc, MBA

 

Zuordnung des Intraoralscans zu den DVT-Daten

Zuordnung des Intraoralscans zu den DVT-Daten

Overlay Intraoralscan

Overlay Intraoralscan

Overlay zahntechnische Planung

Overlay zahntechnische Planung

Die Implantat-Position und -Größe spielen eine wichtige Rolle für den Langzeiterfolg von Implantaten (Simonis et al., 2010).

Die Überführung der Planungsdaten in Schablonen für eine exakte Positionierung war bisher sehr aufwändig und daher auch teuer. Einfachere, aber nicht so exakte Methoden waren hilfreich, konnten jedoch weder die zahntechnische Planung komplett einbeziehen, noch eine exakte Umsetzung gewährleisten.

Neue digitale Techniken ermöglichen uns nun all dies mit einem vertretbaren Aufwand.

In einer Sitzung erstellen wir eine DVT-Aufnahme (Digitale Volumentomographie) und einen Digital-Scan ihrer Mundsituation. Unser zahntechnisches Labor erstellt auf den Daten des Mundscans eine digitale Planung mit den neuen Zähnen.

Nach dem Einlesen der nun vorhandenen Daten erfolgt die Zuordnung ihrer dreidimensionalen Röntgenaufnahmen mit ihrer Mundsituation und der zahntechnischen Planung.

Übersicht der gemeinsamen Achsrichtungen (gelb)

Übersicht der gemeinsamen Achsrichtungen (gelb)

Planung Implantat (gelb), Bohrhülse (gelb), Nerv (rot), Gegenzahn (weiß), zahntechnische Planung (blau), Mundsituation aktuell (feine grüne Linie)

Planung Implantat (gelb), Bohrhülse (gelb), Nerv (rot), Gegenzahn (weiß), zahntechnische Planung (blau), Mundsituation aktuell (feine grüne Linie)

Nach dem Einzeichnen wichtiger anatomischer Strukturen (hier der Unterkiefernerv) können Implantate virtuell eingesetzt werden. Hierbei können die Knochen- und Schleimhautsituation, die zum geplanten Zahnersatz passenden Achsausrichtungen und die anatomischen Nachbarstrukturen (Nerv und Nachbarzähne) gemeinsam und damit optimal berücksichtigt werden.

Studien belegen die Genauigkeit der Zuordnungen der Modellsituation zu den Röntgendaten in einem Bereich von 0,2 mm (Schnutenhaus et. al. 2018 (1)). Ca. 1 mm  und 5 Grad betragen die Abweichungen nach dem Setzen der Inplantate ((Schnutenhaus et. al. 2018 (2)).

digitale Konstruktion der Bohrschablone

digitale Konstruktion der Bohrschablone

gedruckte Bohrschablone mit eingeklebten Titanhülsen

gedruckte Bohrschablone mit eingeklebten Titanhülsen

Auf dem digitalen Modell der aktuellen Mundsituation kann nun ebenso digital eine Bohrschablone konstruiert werden, die im 3D-Druck hergestellt wird. Sie beinhaltet eine für das gewählte Implantat passende Bohrhülse aus Titan, die perfekt zu speziellen Formbohrern passt und die jegliche Abweichung von der Planung verhindert.


Röntgenbild nach dem Setzen der Implantate

Röntgenbild nach dem Setzen der Implantate

Einer der wichtigsten Vorteile dieser Technologie ist eine verkürzte Operationszeit mit einem minimalinvasiven Zugang. Die Infektionsgefahr wird hierdurch deutlich verringert, ebenso Schmerzen und Schwellungen. Der Zeitaufwand für die Planung liegt bei ca. 45 Min. beim Zahnarzt und ca. 30 Min. beim Zahntechniker + ca. jeweils 10 Min. pro Implantat oder Krone. Mehrkosten im Vergleich zu bisherigen Methoden mit Abdrücken und mehreren Terminen berechnen wir Ihnen nicht, das ist uns die Qualitätsverbesserung trotz der hohen Investitionen wert.

 

Literaturangaben:

Schnutenhaus, S, Gröller, S, Luthardt, RG, Rudolph, H. (1) Accuracy of the match between cone beam computed tomography and model scan data in template‐guided implant planning: A prospective controlled clinical study. Clin Implant Dent Relat Res. 2018; 20: 541– 549

Schnutenhaus, S., Edelmann, C., Rudolph, H. et al. (2) 3D accuracy of implant positions in template-guided implant placement as a function of the remaining teeth and the surgical procedure: a retrospective study. Clin Oral Invest 2018; 22: 2363

Simonis P, Dufour T, Tenenbaum H. Long‐term implant survival and success: a 10–16‐year follow‐up of non‐submerged dental implants. Clin. Oral Impl. Res. 21, 2010; 772–77