Kiefergelenksbeschwerden und ihre Therapiemöglichkeiten

Dr. med. dent. Fabian Brauchle

Das Kiefergelenk ist ein sehr komplexes Gelenk im menschlichen Körper. Es kann sich öffnen und schließen ähnlich wie ein Scharnier und ist vorwärts, rückwärts und seitlich verschiebbar. Während man kaut, ist es enormem Druck ausgesetzt.

Die häufigsten Kiefergelenkerkrankungen (auch craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) genannt) sind Probleme mit den Gelenken, den Muskeln, und den umliegenden Gewebssträngen.

Die Ursache für Kiefergelenkbeschwerden ist häufig eine Kombination aus anatomischen Problemen und Muskelverspannungen. Das Zusammenbeißen und Knirschen von Zähnen (Bruxismus) oder auch ein Fehlbiss aufgrund von Zahnlücken können Symptome wie Muskelschmerzen und Verspannungen hervorrufen. Manchmal kann auch eine psychologische Komponente (z.B. Stress) dazu beitragen.

Symptome einer Kiefergelenkerkrankung können sein: Schmerzen im Kopfbereich, knackende Kiefergelenke und Empfindlichkeiten der Kaumuskulatur. Manchmal sind die Schmerzen auch in der Umgebung der Kiefergelenke als direkt in ihnen. Wiederkehrende Kopfschmerzen können auch durch Erkrankungen im Kiefergelenk hervorgerufen werden. Andere Symptome sind Nackenschmerzen, die bis in die Schultern ausstrahlen können, Ohrenschmerzen und Schlafprobleme.

Der Zahnarzt stellt die Diagnose einer Kiefergelenkerkrankung anhand der gesundheitlichen Vorgeschichte des Patienten, einer Untersuchung der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur sowie der Zähne (Kontrolle Abrieb des Zahnschmelzes).

Die Behandlung kann je nach Ursache ganz individuell sein. Zwei weit verbreitete Methoden sind das Anfertigen von Aufbiss-Schienen (auch Knirscherschiene genannt) und/oder die Behandlung durch einen Physiotherapeuten (manuelle Therapie).

Die häufigste Methode zur Behandlung von Muskelschmerzen und Verspannungen im Kiefergelenk ist die Aufbiss-Schiene (Bilder 1 und 2). Eine relativ dünne Schiene aus Kunststoff wird an der oberen oder unteren Zahnreihe angepasst und gleicht somit den Biss aus. Die Schiene wird meistens in der Nacht getragen und verringert das Knirschen und entspannt die Muskeln. Eine Schiene dient auch zur Vermeidung von Zahnschäden, welche durch Knirschen sehr stark belastet werden können.

Die Kassenschiene ist ein einfacher Kunststoffüberzug über den Zahnbogen, welche die Abnutzung der Zahnoberflächen verhindert.

Eine spezielle Schiene ist die sogenannte Michigan-Schiene. Bei der Michigan-Schiene (Schienentherapie nach Ash und Ramfjord) handelt es sich um eine in der zahnärztlichen Praxis eingesetzten sogenannten Aufbiss- bzw. Äquilibrierungsschienen. Sie findet auch in anderen Formen ihre Anwendung und dient dem Ausgleich des Zusammenspiels von Muskulatur und Gelenken.

Die Behandlung mit einer Michigan-Schiene besteht darin, den Unterkiefer aus seiner Verzahnung mit dem Oberkiefer zu löden und ihm dadurch die Möglichkeit zu geben, sich befreit von den Vorgaben durch das Relief der Gegenkieferzähne in einer Lage einzustellen, die aus einer entspannten Muskel- und Kiefergelenksituation resultiert. Der dafür benötigte Gesichtsbogen ist ein Übertragungsgerät, das die Lagebeziehung des Oberkiefers zu den Kiefergelenken und zur Schädelbasis ermittelt.

Bei den gesetzlichen Kassenleistungen sind spezielle Arbeitsschritte und Diagnoseverfahren nicht enthalten. Es ist daher mit einem Eigenanteil zu rechnen, der vom Patienten selbst getragen werden muss.

Literatur

  1. Stelzenmüller W, Wiesner J: Therapie von Kiefergelenkschmerzen: ein Behandlungskonzept für Zahnärzte, Kieferorthopäden und Physiotherapeuten. Georg Thieme Verlag 2004
  2. Koeck B (Hrsg): Praxis der Zahnheilkunde Band 5. Kronen- und Brückenprothetik. Urban & Fischer Verlag 1999
  3. Leder S.: Funktionsstörungen erkennen und behandeln. Spitta Fachbuchreihe Zahnmedizin 2008
  4. Weber T.: Memorix Zahnmedizin. Georg Thieme Verlag 2010